BiPRO-Normen und der GDV-Datensatz sind die beiden Wege, auf denen Versicherer Dokumente, Vertragsdaten und Abrechnungen an Ihr Maklerbüro liefern. BiPRO überträgt Geschäftsvorfälle automatisch in Ihr Verwaltungsprogramm, der GDV-Datensatz liefert den Bestand als strukturierte Datei. Wer beide Wege kennt, spart Handarbeit und erkennt Lücken in der eigenen Datenqualität.
Das Wichtigste in Kürze
- BiPRO steht für Brancheninstitut für Prozessoptimierung e.V., Sitz Meerbusch, seit 2006 aktiv, über 300 Mitgliedsunternehmen (Stand 2026).
- Die Normen tragen Nummern: 410 regelt die Anmeldung, die 420er die Tarifierung mit Angebot und Antrag, 430 den Transfer von Dokumenten und Daten, 440 den Deep-Link ins Versichererportal, 490 die automatisierte Bestandsübertragung.
- Der GDV-Datensatz VU-Vermittler ist älter als BiPRO: Datensätze mit fester Länge von 256 Stellen, gegliedert in Satzarten wie Vorsatz, Adressteil, Allgemeiner Vertragsteil und Nachsatz.
- In der Praxis liefern viele Versicherer über die Norm 430 vor allem Dokumente und Grunddaten; Details wie Zahlbeträge kommen häufig weiterhin als GDV-Datei.
- Ob Sie BiPRO nutzen können, hängt von drei Dingen ab: Ihr Verwaltungsprogramm muss die Norm umsetzen, der Versicherer muss sie anbieten, und Sie brauchen eine Anbindung mit Zugangsdaten.
Was BiPRO ist und wofür die Normen stehen
Hinter dem Kürzel steht ein Verein, in dem Versicherer, Maklerpools, Softwarehäuser und Vertriebe gemeinsam festlegen, wie Daten zwischen ihren Systemen fließen. Das Ergebnis sind Normen: technische Beschreibungen, die jeder Beteiligte auf seiner Seite umsetzt. Hält sich ein Versicherer an die Norm 430 und Ihr Maklerverwaltungsprogramm ebenfalls, können beide Systeme miteinander sprechen, ohne dass jemand eine Sonderlösung programmiert.
Seit einigen Jahren gibt es zwei Normgenerationen nebeneinander. RClassic ist der etablierte Stand auf Basis von SOAP und XML, den die meisten Versicherer und Programme heute im Einsatz haben. RNext ist die neuere Generation mit REST-Schnittstellen und JSON. Für Sie als Anwender ist der Unterschied zunächst zweitrangig. Wichtig wird er, wenn Sie Software auswählen: Fragen Sie den Anbieter, welche Normen in welcher Generation tatsächlich mit welchen Versicherern laufen.
| Norm | Inhalt | Nutzen im Maklerbüro |
|---|---|---|
| 410 | Security Token Service, also Anmeldung und Berechtigungsprüfung | Ein Zugang je Versicherer, den das Programm im Hintergrund nutzt |
| 420er (421 bis 426) | Tarifierung, Angebot, Antrag je Sparte, von Sach über Leben bis Gewerbe | Angebote und Anträge direkt aus dem Vergleichsrechner oder Verwaltungsprogramm |
| 430.1 | Allgemeine Geschäftsvorfälle, der digitale Postkorb | Maklerpost landet als Dokument im Programm statt im Briefkasten |
| 430.4 | Vertragsbezogene Geschäftsvorfälle mit Daten und Dokumenten | Policen, Nachträge und Beitragsänderungen werden automatisch dem Vertrag zugeordnet |
| 430.5 | Schaden- und leistungsbezogene Vorgänge | Schadenstand ohne Rückfrage beim Versicherer |
| 430.7 | Abrechnungen im Alleinzeichnungs-, Führungs- und Beteiligungsgeschäft | Vermittlerabrechnung als Datensatz, abgleichbar mit der eigenen Buchung |
| 440 | Deep-Link in das Portal des Versicherers | Sprung aus dem Vertrag direkt ins Extranet ohne erneute Anmeldung |
| 490 | Automatisierte Bestandsübertragung | Betreuerwechsel per Klick statt per Formular und E-Mail |
Die Zusammenstellung folgt der Normenübersicht des BiPRO e.V., in der die Normen nach Spartenpaketen sortiert sind. Die Norm 430.4 ist der Teil, den fast alle angeschlossenen Versicherer umgesetzt haben. Sie ist auch der Grund, warum sich viele Maklerbüros überhaupt mit BiPRO beschäftigen: Sie ersetzt das Abtippen von Policen.
Der GDV-Datensatz: älter, sperriger, aber immer noch unverzichtbar
Lange bevor es BiPRO gab, hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ein Format festgelegt, mit dem Versicherer ihre Bestände an Vermittler übergeben: den GDV-Datensatz VU-Vermittler. Das Format stammt aus einer Zeit, in der Daten per Datenträger verschickt wurden, und sieht entsprechend aus. Jede Zeile hat genau 256 Stellen, und der Inhalt ergibt sich nicht aus Feldnamen, sondern aus der Position im Satz.
Eine Lieferung ist nach Satzarten gegliedert. Der Vorsatz (Satzart 0001) nennt Absender, Vermittlernummer und Erstellungszeitraum. Danach folgen je Vertrag der Adressteil (0100) mit den Partnerdaten, der Allgemeine Vertragsteil (0200) mit Versicherungsscheinnummer, Laufzeit, Zahlweise und Beitrag sowie spartenspezifische Teile (0210 und 0220) etwa für Fahrzeugdaten in der Kfz-Versicherung oder Angaben zur versicherten Person in der Lebensversicherung. Der Nachsatz (9999) schließt die Lieferung ab und nennt die Anzahl der Sätze. Der GDV pflegt dazu Releasestände, die für Leben und für die übrigen Sparten unterschiedlich sein können; viele Versicherer liefern bis heute nach älteren Releaseständen. Die Schnittstellenbeschreibungen sind beim GDV einsehbar.
Warum ist das für Sie relevant, wenn Ihr Programm die Datei ohnehin automatisch einliest? Weil Fehler genau an dieser Stelle entstehen. Ein Versicherer, der einen anderen Releasestand liefert als das Programm erwartet, erzeugt doppelte Verträge oder leere Felder. Wer die Struktur grob kennt, erkennt beim Import, ob ein Problem bei der Datei oder bei der Zuordnung liegt.
Wie beide Wege in der Praxis zusammenspielen
Die Vorstellung, BiPRO habe den GDV-Datensatz abgelöst, trifft nicht zu. Die Norm 430 erlaubt es den Versicherern ausdrücklich, weitere Datenformate anzuhängen. Viele nutzen das und schicken über den digitalen Postkorb ein PDF der Police plus eine GDV-Datei mit den Vertragsdaten. Branchenauswertungen zeigen seit Jahren dasselbe Bild: Die Versicherungsscheinnummer liefern fast alle Gesellschaften, Detailangaben wie den aktuellen Zahlbetrag nur etwa die Hälfte, Daten zu versicherten Personen deutlich seltener. Die Lücke schließt dann der GDV-Datensatz.
Für den Alltag im Maklerbüro bedeutet das:
- Dokumente kommen über BiPRO 430 und werden dem Vertrag zugeordnet, meist noch am Tag der Erstellung beim Versicherer.
- Bestandsdaten für Beiträge, Laufzeiten und Zahlweise kommen je nach Versicherer über BiPRO 430.4, als GDV-Datei im Anhang oder als separater Download aus dem Maklerportal.
- Die Vermittlerabrechnung läuft entweder über 430.7 oder als GDV-Abrechnungsdatensatz, bei kleineren Gesellschaften weiterhin als PDF.
- Für alles, was keine Norm abdeckt, bleibt der Weg über das Portal, idealerweise per Deep-Link nach Norm 440.
Ein Blick nach vorn: Seit Ende 2025 setzen erste Versicherer die Norm 490 für den Betreuerwechsel ein. Ein Vorgang, der bisher mindestens eine Woche mit Formularen und E-Mails brauchte, läuft dort in den meisten Fällen über Nacht. Für Makler, die Bestände übernehmen oder zusammenführen, ist das die interessanteste Entwicklung der letzten Jahre.
Was Sie als Makler konkret brauchen
Drei Bausteine müssen zusammenkommen. Erstens ein Maklerverwaltungsprogramm, das die Normen umsetzt. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, steht in unserem Beitrag zum Maklerverwaltungsprogramm. Zweitens Versicherer, die BiPRO anbieten und Ihnen eine Anbindung freischalten; das setzt in der Regel eine Courtagezusage oder eine Vereinbarung über Ihren Pool oder Verbund voraus. Drittens die Zugangsdaten je Versicherer, die Ihr Programm für die Norm 410 hinterlegt.
Im Verbund sehen wir häufig, dass der dritte Punkt unterschätzt wird. Jede Direktanbindung bedeutet einen eigenen Zugang, eigene Freischaltung und eigene Pflege, wenn der Versicherer seine Schnittstelle umstellt. Wer über einen Verbund angebunden ist, bündelt diese Zugänge. Welche Leistungen die STATUS GmbH dazu anbietet, finden Sie im Leistungspaket und auf der Seite zur Anmeldung zum BiPRO-Dokumentenservice. Wer gerade erst den Schritt in die Selbstständigkeit plant, sollte die Frage nach den Schnittstellen schon bei der Softwareauswahl stellen; wie der Einstieg insgesamt abläuft, beschreibt unser Ratgeber Versicherungsmakler werden. Einen Ausblick, wohin sich der Datenaustausch entwickelt, gibt der Digitale Ausblick 2026.
Typische Fehlerquellen beim Datenabruf
- Der Versicherer ist im Programm angebunden, hat Sie aber noch nicht für den Datenabruf freigeschaltet. Dann kommen Dokumente, aber keine Daten.
- Die Vermittlernummer beim Versicherer passt nicht zur hinterlegten Nummer im Programm. Dokumente landen im Postkorb ohne Vertragszuordnung.
- Der Releasestand der GDV-Datei passt nicht zur Importroutine. Einzelne Felder bleiben leer oder Verträge werden doppelt angelegt.
- Abgelaufene Zugangsdaten nach einer Passwortänderung im Maklerportal. Der Abruf bricht stillschweigend ab, bis jemand die Fehlerliste prüft.
- Zu seltener Abruf. Wer den Postkorb nur wöchentlich leert, verliert den Zeitvorteil gegenüber der Papierpost.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen BiPRO und GDV-Daten?
BiPRO ist ein Normenwerk für den laufenden Austausch von Geschäftsvorfällen, Dokumenten und Daten zwischen Versicherer und Vermittler über Webservices. Der GDV-Datensatz ist ein festes Dateiformat, mit dem Versicherer Bestandsdaten als Datei übergeben. In der Praxis ergänzen sich beide: Die Datei wird oft über BiPRO transportiert.
Welche BiPRO-Norm ist für Makler die wichtigste?
Die Norm 430.4 für vertragsbezogene Geschäftsvorfälle. Sie ist von den meisten Versicherern und Programmherstellern umgesetzt und bringt Policen, Nachträge und Beitragsänderungen samt Dokumenten direkt in das Verwaltungsprogramm.
Brauche ich als Einzelmakler eine BiPRO-Mitgliedschaft?
Nein. Mitglieder sind Versicherer, Softwarehäuser, Pools und Verbünde, die Normen entwickeln und umsetzen. Als Makler nutzen Sie die Schnittstellen über Ihr Verwaltungsprogramm und die Freischaltung durch den Versicherer.
Liefern alle Versicherer über BiPRO?
Nein. Die großen Gesellschaften decken die Norm 430 weitgehend ab, kleinere Versicherer und manche Spezialanbieter liefern weiterhin nur GDV-Dateien zum Download oder gar nur PDF-Dokumente. Vor der Softwareentscheidung lohnt eine Liste der eigenen Hauptversicherer mit deren Lieferwegen.
Was kostet die BiPRO-Anbindung?
Die Normen selbst kosten Sie als Makler nichts. Kosten entstehen über die Lizenz des Verwaltungsprogramms, in dem die Schnittstellen oft als Modul abgerechnet werden, und gelegentlich über Einrichtungsgebühren je Versicherer. Fragen Sie den Softwareanbieter nach einer Aufstellung je Gesellschaft.
Kann ich GDV-Daten ohne Verwaltungsprogramm lesen?
Technisch ja, die Datei ist reiner Text. Sinnvoll auswerten lässt sie sich aber nur mit einem Programm, das die Satzarten und Feldpositionen kennt. Für die Fehlersuche genügt es, Vorsatz und Nachsatz zu prüfen: Dort stehen Absender, Zeitraum und Satzanzahl.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- BiPRO e.V.: Normenübersicht nach Spartenpaketen
- GDV: Schnittstellenbeschreibung GDV-Datensatz VU-Vermittler, Releases und Beispieldateien
- IT Finanzmagazin, 10.12.2025: Versicherungskammer Bayern automatisiert Bestandsübertragung über BiPRO-Norm 490
- IT Finanzmagazin, 17.01.2022: BiPRO-Datensätze mit GDV-Daten anreichern